Südkurve München – FC Bayern München – Einsatz für die Erinnerung an die NS-Zeit und gegen Antisemitismus
Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Seit einigen Jahren gibt es auch im deutschen Fußball ein vielfältiges Gedenken rund um diesen Tag. Angeregt durch die Initiative „!Nie Wieder“ finden immer mehr Aktionen unter dem Titel „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ in und um deutsche Stadien herum statt.
Sport und Fußball waren nie unpolitisch, das zeigt insbesondere der Blick auf die NS-Zeit. Das Regime nutzte den Sport als Propagandamittel und zur Durchsetzung seiner Ideologie. Viele Vereine beteiligten sich aktiv an der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder. Erst Jahrzehnte später begann eine kritische Aufarbeitung, häufig angestoßen durch engagierte Personen aus der Fanszene.
„Münchner Juden kickten hinter der Friedhofsmauer. Sie ließen sich den Fußball von den Nazis nicht verbieten.“
Anlässlich des Erinnerungstages zeigte die Südkurve, als Zusammenschluss der organisierten Fanszene, eine Choreografie, welche an Münchner mit jüdischen Wurzeln erinnert.
Zum historischen Hintergrund:
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen, müssen auch die Jugendspieler mit jüdischen Wurzeln miterleben, wie sich in ihrem Heimatland ein radikaler Antisemitismus breit macht. Dieser wird in den folgenden Jahren zu Demütigungen, Ausgrenzung sowie Entrechtung und schließlich auch zur Shoa führen.
Nachdem die jungen Mitglieder zunächst vom Verein ausgeschlossen werden, sie aber noch auf öffentlichen Plätzen Fußball spielen dürfen, wird ihnen das 1938 im Zuge der Reichspogromnacht verboten. Vielen von ihnen ist es zu diesem Zeitpunkt bereits gelungen, vor den Nationalsozialisten und dem bevorstehenden Holocaust zu fliehen. Den Zurückgebliebenen bleibt ab 1939 nur noch ein Platz zum Fußballspielen. Auf einer Freifläche hinter den Friedhofsmauern des Neuen Israelitischen Friedhofes.
Nicht nur aufgrund dieser Aktion gilt die organisierte Münchner Fanszene (allen voran die Schickeria – Ultras des FC Bayern München) als eine der wichtigsten Akteure in der deutschen Fankultur in Sachen Erinnerung und Gedenken. Ihr Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Verein intensiv mit seiner jüdischen Historie auseinandergesetzt hat. So wurde u.a. das Schicksal des ehemaligen Präsidenten Kurt Landauers wieder aus der Vergessenheit geholt und aktiv für eine Aufarbeitung der Vereinsgeschichte während des Nationalsozialismus eingesetzt. Außerdem wird seit 2006 der Kurt-Landauer-Pokal als antirassistisches Fußballturnier organisiert und es wurde die Kurt-Landauer-Stiftung e.V. gegründet.
Das Engagement der Fanszene zeigt eindrücklich das Potenzial von Fanszenen, positiv im Sinne einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft zu wirken.