Wen würden sie vorschlagen?

Zum 16. Mal ist nunmehr der „Jenaer Preis für Zivilcourage“ ausgelobt, mit dem in der Stadt Jena jährlich Menschen geehrt werden, die zivilcouragiert gehandelt haben und von Jenaerinnen und Jenaern vorgeschlagen wurden. Seit 16 Jahren ist der Preis eine feste Konstante in der Stadt. Er ist aber mehr als eine Auszeichnung. Der „Preis für Zivilcourage“ soll immer wieder zur Wahrnehmung dieses Themas in der Öffentlichkeit animieren, aber auch anregen, das eigene Handeln zu reflektieren.
Hinschauen wenn andere wegsehen. Widersprechen wo geschwiegen wird. Handeln wo bewegungslos verharrt wird. Eingreifen, Verantwortung übernehmen, mitgestalten, dies sind Merkmale einer lebendigen Demokratie. Zivilcourage in einer sozialen, menschenrechtsorientierten, offenen Gesellschaft kann dies alles darstellen. In Situationen in den Menschen in Bedrängnis oder gar Bedrohung geraten, ausgegrenzt, diskriminiert oder abschätzig behandelt werden, müssen sich diese Überzeugungen in besonderer Form beweisen. Wenn die Mehrheit falsch verstandene Toleranz oder gar Zustimmung zeigt, dann braucht es oft Entschlossenheit, die eigene humanistische Grundhaltung in praktisches Handeln zu übersetzen. Auch bedarf es Mut um etwaige, die eigene Person betreffende, negative soziale Konsequenzen und Reaktionen auszuhalten, nicht umzufallen. So geht zivilcouragiertes Handeln über eine klassische Erste-Hilfe-Leistung unter Gleichgestellten hinaus. Aber nicht nur die Menschen der Stadt sind jedes Jahr aufgerufen, sich selbst Gedanken zum Thema zu machen und Vorschläge zu Personen einzureichen, die ihrer Meinung nach zivilcouragiert gehandelt haben, auch die Wirtschaft in Jena bezieht Position. So stiftet jedes Jahr ein anderes Unternehmen den Preis. Das mit 1000 Euro dotierte Preisgeld für den 16. Jenaer Preis für Zivilcourage kommt diesmal vom Implantarium, der Zahnarztpraxis von Dr. Hoffmann, Dr. Drothen und Dr. Wächter im Damenviertel. „Zivilcourage ist ein sperriger Begriff. Manchmal reichen schon deutliche Worte. Wenn man sich damit aber zum Beispiel gegen Freunde oder Kollegen positionieren muss, fällt die Entscheidung schon schwerer.“ sagt Joachim Hoffmann. „Theoretisch würden sicher die meisten von uns anderen beistehen, die in Bedrängnis kommen und Hilfe brauchen. Das aber im entscheidenden Moment bedacht und beherzt auch wirklich zu tun, ist eine andere Sache.“
„Deshalb wollen wir diesen Preis unterstützen“, ergänzt Christin Drothen. „Wir finden es gut, wenn die halbe Stadt jedes Jahr neu über dieses Thema nachdenkt. Und es ist gut, besondere Beispiele hervorzuheben und auszuzeichnen. Das macht auch denen Mut, die sich sonst vielleicht nicht trauen würden.“
„Ich bin sicher, dass es in Jena im letzten Jahr etliche preiswürdige Aktionen gab. Wenn auch so viele Vorschläge eingehen, wird es für die Jury gar nicht leicht“, sagt Claus Wächter.
„Als Zahnarztpraxis mit unserem Team verstehen wir uns als Teil dieser Stadt. Das Klima hier, der menschenfreundliche Umgang miteinander ist uns sehr wichtig und macht für uns das Besondere aus“, ist das Resümee der drei Ärzte.
Gemeinsam rufen die Ärzte Dr. Hoffmann, Dr. Drothen und Dr. Wächter der preisstiftenden Praxis, der Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter und KoKont Jena alle Menschen der Stadt auf, Vorschläge einzureichen. Zivilcourage hatte auch 2016 wieder viele Gesichter, die Frage, welche Personen oder Gruppen ihrer Meinung für ihr Handeln im letzten Jahr ausgezeichnet werden sollten, geht nun wieder an die Jenaerinnen und Jenaer. Sie können ab sofort bis zum 24.03.2017 Vorschläge per Anruf (236606), Fax( 236607) oder Mail (kokont@t-online.de) bei KoKont Jena einreichen. Außerdem besteht die Möglichkeit diese in einen speziellen Briefkasten im Implantarium (Käthe-Kollwitz-Straße 19) einzuwerfen. Weitere Informationen, Kriterien und Hilfsstellungen gibt es unter www.kokont-jena.de.
Alle Vorschläge werden bei KoKont gesammelt und an eine unabhängige Jury übergeben. Zusammengesetzt aus Vertreterinnen und Vertretern sozialer, wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Bereiche der Stadt, entscheidet sie über die Vergabe des Preises.
Der Preis wird auch dieses Jahr wieder gemeinsam mit der Auszeichnung für den SchülerInnen- und Jugendwettbewerb Charlotte Figulla Preis verliehen. Die feierliche Veranstaltung findet am 12. Mai 2017 im Jenaer Rathaus statt.