Am 9.November 1938 brannten in Deutschland unzählige Synagogen, es kam zu Enteignungen, Übergriffen, Vertreibungen und Internierung jüdischer Mitbürger. Jener Tag kann als Zäsur in der bereits Jahrhunderte währenden Judenverfolgung gesehen werden, denn er leitet den Beginn der systematischen und industriellen Vernichtung von jüdischem Leben in Europa ein. In dessen Folge es zu millionenfacher systematischer Verfolgung, Entrechtung und industrieller Ermordung kam.

Im Zuge dessen griff die nationalsozialistische Vernichtungsideologie auch auf andere Bevölkerungsgruppen über, so etwa auf Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle und politisch Andersdenkende.

In Gedenken an die aus Jena deportierten Jüdinnen und Juden wird am 9. November 2017 eine zentrale Gedenkveranstaltung um 19 Uhr am Westbahnhof stattfinden.

Eingebettet ist die Veranstaltung in diesem Jahr in einen programmatischen Kontext, der weitere geschichtliche Ereignisse des 9. November versucht zu erfassen. Diese Veranstaltungsreihe entstand als Reaktion auf die neonazistischen Demonstrationsanmeldung im Jahr 2016. Nachfolgend finden sie dazu Informationen.

DER 09. NOVEMBER 2017 IN JENA
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08.-09.11.2017 – Tag und Nacht der Demokratie

Der 9. November steht für sehr unterschiedliche Einschnitte in der deutschen und europäischen Geschichte. Um der gedenk- und erinnerungskulturellen Vielfalt des Tages gerecht zu werden, findet in Jena ein abwechslungsreiches Programm statt. Zivilgesellschaftliche Gruppen bieten neben traditionellen Formen des Erinnerns auch kreative Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte an. Unter dem Motto „Tag und Nacht der Demokratie“ bringen Chöre, Bands und andere Musiker die Stolpersteine zum Klingen, macht sich ein Podium Gedanken zum lokalen Umgang mit der Vergangenheit, wird die Stadtkirche zur Projektionsfläche für bildhafte Impulse und zum Veranstaltungsort für nachdenkliche Töne.

Die jährliche Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht, die Kranzniederlegung für die deportierten Juden aus Jena, am Westbahnhof bleibt als zentrale Veranstaltung an diesem Tag bestehen. In diesem Jahr beginnt diese Veranstaltung allerdings erst 19.00 Uhr. Der Hauptredner in diesem Jahr wird Prof. Walter Rosenthal, der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sein.

Die Veranstaltungsreihe Tag und Nacht der Demokratie beginnt bereits schon am Mittwoch, den 08.11. um 20 Uhr im Volksbad mit einer Podiumsdiskussionsrunde unter dem Titel „Wie umgehen mit der Vergangenheit?“.

Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen erwarten die interessierten Menschen am 9.11. selbst.
So werden zum Beispiel ab 18 Uhr alle 40 Stolpersteine an den 21 Orten in Jena mit der Aktion „Klang der Stolpersteine“ in diesem Jahr mit musikalischer Begleitung geputzt. Um 18.30 Uhr wird an diesen Stellen gleichzeitig ein gemeinsames Lied angestimmt. Im Anschluss daran ziehen alle zum Westbahnhof und spielen eben dieses Lied um 19 Uhr noch einmal als großes Orchester zur Eröffnung der Kranzniederlegung zusammen.

Am Abend, zum Abschluss des Aktionstages wird es in der Stadtkirche ab 21.00 Uhr das Konzert „Lieder gegen Diebe der Freiheit“ – ein Doppelkonzert von Heinz Ratz & Doda Kehr Duo geben.

Die komplette Übersicht über alle Veranstaltungen mit allen Beschreibungen finden sie zum Einen auf der Homepage tag-und-nacht-der-demokratie.de und zum Anderen im Programmheft.

Lesung und Gespräch mit Igal Avidan „Mod Helmy“


Ebenfalls am 9. November lädt die Junge Gemeinde Stadtmitte um 20 Uhr zu einer Lesung und Gespräch mit Igal Avidan „Mod Helmy“ – Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete.
Alle Informationen zur Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen finden Sie hier.